In Anlehnung an Genge et al. 2008 kann man Mikrometeorite vereinfacht wie folgt einteilen.

Klassifikation der Mikrometeorite nach Genge et al. 2008, vereinfacht

Die Einteilung der Gruppen basiert auf dem unterschiedlichen Grad der Aufschmelzung bei Durchtritt der Atmosphäre. Der Typ charakterisiert unterschiedliche Ausgangsmaterialien. Der Untertyp spiegelt unterschiedliche Maße der Erhitzung bzw. Geschwindigkeiten der Abkühlung und Rekristallisation wider.

In den nachfolgenden Galerien werden einige Beispiele vorgestellt.

Glass (V)

Mikrometeorite vom Typ Glass (Vitreous) findet man in urbanen Gebieten relativ selten. Das liegt vor allen an der Methode. Denn in der Regel wird man die Suche auf magnetische Partikel beschränken. Die meisten gläsernen Mikrometeorite sind jedoch nicht magnetisch bzw. sind es nur dann, wenn ein eisenhaltiger Metaltropfen (wie in diesem Bild rechts zu sehen) erhalten geblieben ist. Oftmals (so auch in diesem Bild) gibt es einen Übergang zwischen glasartiger Struktur (oben und links) und feinkristallinen Strukturen (mitte, unten und rechts). Glasartige Mikrometeorite entstehen bei besonders schneller Abkühlung der Schmelze, so dass dieser keine Zeit zur Ausbildung von kristallinien Strukturen bleibt.

Dieser glasartige Mikrometeorit ist gänzlich frei von kristallinen Strukturen. Metaltropfen an beiden Enden (dort wo jetzt Vertiefungen zu sehen sind), sind im Reinigungsprozess leider abgefallen. Ohne diese Metaltropfen wäre der Mikrometeorit aber wohl nicht gefunden worden, da sich die Suche auf magnetische Partikel beschränkt hatte. Die Löcher und Furchen auf der Oberfläche sind vermutlich erste Verwitterungserscheinungen, denn Gesteinsglas ist anfälliger gegen Verwitterung als die meisten kristallinien Strukturen.

Dieser Mikrometeorit stellt wider einen Übergang zwischen glasartig und feinkristallin (Cryptocrystalline) dar. Oftmals beginnt die Kristallisation der Schmelze im Abkühlungsprozess an bestimmen stellen, hier erkennbar ausgehend vom Metaltropfen einerseits und von verschiedenen Stellen der Schmelzenoberfläche andererseits. Letzteres führt dann zur Bildung pyramidenförmiger Kristalle, die im oberen Bereich des Bildes erkennbar sind. Die Löcher dazwischen sind wiederum Verwitterungserscheinungen des dazwischen liegenden glasartigen Materials.

Cryptocrystalline (CC)

Erinnert die Oberflächenstruktur an den Panzer einer Schildkröte, dann spricht man vom sogenannten „Turtleback“. Hier hat die Rekristallisation der Schmelze an verschiedenen Punkte der Oberfläche eingesetzt und dadurch die charakteristische pyramidenartige kritalline Struktur hervorgerufen. Die Rekristallisation erfolgt nicht so schnell bei bei glassartigen Mikrometeoriten aber immer noch recht schnell.

Oftmals ist die Oberflächenform der feinkristallinien Mikrometeorite nicht so gleichmäßig gestaltet sondern durch unregelmäßige Erhebungen gezeichnet. Die Form ist meist nur annähnernd rundlich. Typisch ist die fein wellenartige Oberfläche, die hier sehr deutlich zu erkennen ist.

Hier ist die Form etwas langgestreckt und an der Spitze (oben links) befindet sich ein Metalltröpchen. Die Oberfläche ist wiederum großteils von feinen Wellen überzogen.

Auch wenn die Mehrheit der feinkristallinen Mikrometeorite schwarz sind, so treten auch farbige Formen auf. Am oben Eine befindet sich wieder ein großer Metalltropfen.

Barred olivine (BO)

Olivin ist oft das dominierende Mineral in Mikrometeoriten. Bei diesem Typ sind Olivinkristalle zu bandartigen, parallel verlaufenden Strukturen angeordnet. Wenn der Kristallisationsprozess dabei von verschiedenen Stellen ausgeht, entstehen Kreuzungen dieser Bänder oder Furchen, dort wo die Bänder aus verschienenen Richtungen zusammenwachsen. Diese Bänder aus Olivinkristallen sind eines der sichersten und wichtigsten Erkennungsmerkmale unter dem Mikroskop, auch deshalb weil der Typ Barred Olivine der am häufigsten zu findene ist.

Hier ein weiteres Beispiel eines typischen „BO“. Charakteristisch ist auch seine eiförmige Form, Die Olivinekristalle sind hier großflächig parallel angeordnet.

Auch dieser Mikrometeorit des Typs Barred olivine ist oval geformt. an einem Ende (oben links) befindet sich ein Tropfen aus Metall.

Übergangsformen zwischen den Typen Barred Olivine und Cryptocrystalline sind keine Seltenheit. Dieser Mikrometeorit hat eine schwach ausgeprägte Turtleback-Struktur mit feinkristallinen Spitzen während in den tieferliegenden Bereichen deutlich gebänderte Olivine zu erkennen sind.

Bei diesem Mikrometeorit sind die gebänderten Olivinkristalle so fein ausgebildet, dass man diesen auch zu den feinkristallinen (Typ Cryptocrystalline) zuordnen könnte.

Porphyritic (Po)

Porphyritisch bedeutet, dass große, gut ausgebildete Kristalle in eine feinkristalline Matrix eingebettet sind. Im Falle der Mikrometeoriten dieses Typs sind das vor allem große Olivinkristalle in einer glasartigen Matrix. Oben links ist ein kleiner Metalltropfen an der Oberfläche zu erkennen.

Porphyritische Mikrometeorite können kompakt sein oder Hohlräume haben, wie dieses Beispiel zeigt. Die dunklen Olivinkristalle sind kaum von der Matrix abgesetzt und nicht ganz leicht auf dem Bild zu erkennen. Die besser erkennbaren hellen Kristalle sind Magnetite.

Porphyritische Mikrometeorite können auch deutlich porös sein. Zahlreiche an der Oberfläche erkennbare Löcher deuten darauf hin.

Die langgestreckte Form dieses porphyritischen Mikrometeorits deutet darauf hin, dass dieser sich in einer starken Rotationsbewegung gebildet hat. Das dichtere Metall hat sich im Stadium der Schmelze an den beiden Enden gesammelt und ist dort dann wieder erstarrt. Oben links hat der Metalltropfen sich ganz vom Mikrometeoriten gelöst, vermutlich bereits in der Phase der Schmelze.

Natürlich gibt es auch hier Übergangsformen. Bei diesem porphyritischen Mikrometeorit haben sich die großen Olivinkristalle bereits annähernd zu Bändern orientiert und sind nicht mehr willkührlich in die glasartige Matrix eingebettet. Man kann hier also einem Übergang vom Typ Po zum Typ BO erkennen.

Scoriaceous

Mikrometeorite des Typs Scoriaceous wurden bei der Durchquerung der Erdatmosphäre nicht vollständig aufgeschmolzen (vgl. Abbildung in Einführung). Sie weisen meist eine etwas unregelmäßige Form auf, machmal mit wulstartigen Hervorhebungen, haben aber dennoch eine weitgehen glatte Oberfläche, da diese angeschmolzen wurde.

Die Oberfläche ist stets mit kleinen Magnetitkristallen und häufig auch einigen sehr kleinen Metaltröpfchen (Eisen-Nickel) übersäht.

Gelegentlich ist an unregelmäßigen Hervorhebungen erkennbar, dass der ursprüngliche Staubkörper unter der angeschmolzenen Oberfläche erhalten geblieben ist (hier rechts im Bild).

Hier wurde der Partikel stärker und tiefergehend aufgeschmolzen und es haben sich größere Kristalle gebildet. Daran zeigt sich der Übergang zum Typ Porphyritic.