7 Schritte zum eigenen Mikrometeorit: Schritt 7 – Die Funde richtig dokumentieren und aufbewahren

Wer seinen ersten Mikrometeoriten gefunden und identifiziert hat und die Suche fortsetzt, der wird schnell weitere finden. Um auch später noch den Überblick zu haben und jeden Mikrometeorit, dessen Beschreibungen, Fotos, Aufnahmen am Rasterelektronenmikroskop und sonstige erhobene Daten zweifelsfrei zuordnen zu können, sollte man diese mit Nummern bzw. Codes versehen. Außerdem hilft es, alle Informationen zu den Funden tabellarisch festzuhalten. Was ist dabei zu bedenken?

Nummerierung

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Mikrometeorite/Funde zu nummerieren. Auch wenn die Unterschiede anfänglich marginal wirken mögen, so ergeben sich daraus langfristig praktische Konsequenzen.

Nummerierung der entnommenen Partikel oder Nummerierung der verifizierten Mikrometeorite?

Nicht jedes Exemplar, das man einer Probe entnommen hat und anschließend genauer untersucht, wird sich am Schluss als Mikrometeorit erweisen. Bis zur Verifizierung fallen bereits Schritte an, wo eine Nummerierung hilfreich oder notwendig ist. Spätestens am Rasterelektronenmikroskop muss man die Proben in irgendeiner Form eindeutig zuordnebar machen. Man muss also in der Regel bereits vor der Verifizierung mit einer Nummerierung oder Beschriftung arbeiten. Wenn sich dann später ein Teil der Funde als Mikrometeoriten entlarvt, ein anderer hingegen nicht, dann stellt sich die Frage, ob man die Nummerierung beibehält oder eine neue Nummerierung der verifizierten Funde vornimmt.

Für eine neue Nummerierung spricht:

  • Am Schluss ist es übersichtlich, nur die verifizierten Funde in einem Nummerierungssystem zu haben
  • Man hat so leichter einen Überblick, wie viele Mikrometeorite in der Sammlung sind
  • Möglicherweise möchte man nicht alle Proben, die sich als industrielle Partikel entpuppten aufbewahren, so dass bei einer Neubenummerung keine Lücken in der Sammlung entstehen.
  • Eine lückenlose Nummerierung der Mikrometeorite erleichtert die Aufbewahrung, da nicht zwingend jeder einzelne Partikel beschriftet werden muss sondern mit Serien gearbeitet werden kann (siehe unten unter Aufbewahrung)

Für eine Beibehaltung der Nummerierung der „Kandidaten“ spricht:

  • Die Beibehaltung einer initialen Nummerierung erspart Arbeit und beugt Übertragungsfehlern vor
  • Fotos, Aufnahmen am Rasterelektronenmikroskop oder andere Informationen, die mit dieser initialen Nummerierung beschriftet sind, können später problemlos zugeordnet werden, ohne dass diese nochmal neu beschriftet werden müssten
  • Eine Neubeschriftung aller mit initialer Nummerierung ausgestatteten Daten und Bilder wäre sehr aufwendig und teilweise kaum möglich (z. B. wenn die Nummer im Foto dargestellt ist)
  • Muss man später eine Verifizierung doch wieder zurücknehmen, so entsteht dann dadurch keine Lücke in einer evtl. neu vorgenommenen Nummerierung; kann man später einen zunächst als terrestrisch klassifizierten Partikel doch als Mikrometeorit verifizieren, so muss man diesen dann nicht mit einer neuen Nummer versehen, die dann möglicherweise abseits der Nummern von Funden aus der gleichen Probe steht
  • Man hat früher die finalen Nummern zur Verfügung, da man dazu nicht auf die Verifizierung warten muss, die sich bei schwierigen Fällen durchaus länger hinziehen kann

Beide Vorgehensweisen haben also ihre Vor- und Nachteile.

Fortlaufende Nummerierung oder nach Orten/Proben gegliederte Nummerierung?

Im Hobbybereich findet man häufig eine fortlaufende Nummerierung von gesammelten Mikrometeoriten von 1 bis X mit einem Sammlungs- oder Namenskürzel vorangestellt, z. B. NMM2583 oder THMM464. In der Wissenschaft sind oft nach Fundorten/Proben klassifizierte Nummern zu lesen, beispielsweise C19-0038 oder AAS-26-D1-#2. Auch hier bringen beide Systeme ihre Vor- und Nachteile mit sich.

Für eine Nummerierung von 1 bis X spricht:

  • Es ist sofort erkennbar, wie viele Mikrometeorite die Sammlung umfasst
  • Anhand der Nummer ist ungefähr erkennbar, aus welcher Zeit der Fund stammt
  • Die Nummerierung ist sehr kurz und damit platzsparend bei Beschriftungen/Benennungen

Für eine Nummerierung unter Einbeziehung von Probenorten bzw. Proben spricht

  • Anhand der Nummer ist eine Zuordnung zum Probenort bzw. zur Probe sofort erkennbar
  • Arbeitet man mit der Nummerierung verifizierter Mikrometeorite (vgl. oben) und kann man einen Partikeln erst später als Mikrometeorit verifizieren (z. B. nachdem man bereits Funde von neuen Proben nummeriert hat), dann kann dieser dennoch eine Nummer bekommen, die sich an die Nummern der anderen Partikel aus dieser Probe anschließt

Datensammlung

Im Laufe der Arbeiten, von der Probenahme bis hin zur Analyse der Partikel, fallen eine ganze Menge an Daten an: z. B. Angaben zum Fundort, Angaben zur Beprobung, Beobachtungen zum Fund des Partikels, optische Charakteristika, Analysedaten, Fotos, Zeichnungen, Größenangaben, klassifikatorische Zuordnung.

Um später den Überblick darüber zu wahren, daraus Erkenntnisse ableiten zu können oder vielleicht sogar die Daten für wissenschaftliche Fragestellungen zu nutzen, sollten man diese Angaben konsequent und systematisch festhalten. Beschreibende Daten kann man gut in Excel oder vergleichbarer Software festhalten und hat so gleich die Möglichkeit, darin verschiedene Auswertungen durchzuführen oder Diagramme zu erstellen.

Für die Ablage von Bilddaten und anderen Dateien sollte man sich ein Dateisystem einrichten, das zur gewählten Nummerierungsmethode passt.

Aufbewahrung der Mikrometeoriten

Wie man sinnvollerweise die Funde aufbewahrt, hängt auch vom anvisierten Verwendungszweck dieser ab. Möchte man primär eine Sammlung anlegen? Möchte man die Funde als Vergleichsmaterial für die zukünftige Suche verwenden? Möchte man die Funde vielleicht ausstellen oder anderen Einblicke ermöglichen? Oder will man die Funde für wissenschaftliche Analysen zur Verfügung stellen? Vielleicht auch für zerstörende Analysen (z. B. Anfertigung von polierten Schnitten oder zur Isotopenanalyse)? Sicherlich gibt es noch eine Vielzahl anderer Verwendungsmöglichkeiten.

Mikrozellen

Eine gern verwendete Möglichkeit die Funde platzsparend und mit schnellem Zugriff zu verwahren ist es, diese auf leicht klebendem PostIt-Papier anzuordnen, das man in Mikrozellen mit Vertiefungen und einer Glasabdeckung anbringt.

Mikrozellen mit Mikrometeoriten
Mikrozellen aus Aluminium, Pappe und mit einer Glasabdeckung, präpariert mit Klebestreifen, auf denen die Mikrometeorite angeordnet werden

Hierzu klebt man doppelseitiges Klebeband in die Vertiefung und darauf dann den PostIt-Klebestreifen mit der klebenden Seite noch oben. Darauf kann man die Mikrometeorite platzieren und nach dem gewünschten System anordnen, zum Beispiel in 5er-Reihen mit fortlaufender Nummerierung von links nach rechts und von oben nach unten. Auf Trägern mit vier Vertiefungen lassen sich so etwa 100 Mikrometeorite unterbringen.

Die Proben kann man so leicht jederzeit unter dem Mikroskop anschauen. Sie lassen sich auch gut darauf fotografieren. Dazu ist ein weißer Hintergrund, also weißes PostIt-Papier, optimal. Zur Betrachtung unter dem Mikroskop hat aber ein dunklerer Hintergrund Vorteile, da dieser bei starker Beleuchtung sich nicht so blendend auswirkt.

Solange man die Proben zusammen hält, lassen sich auf diesem Weg zahlreiche Funde mit wenig Beschriftung und dennoch klarer Zuordnung verwalten. Möchte man aber stärker mit den Mikrometeoriten weiterarbeiten und sie dafür aufteilen, so steigt der Beschriftungsaufwand.

Mikroreaktionsgefäße

Denkbar ist auch eine Verwahrung der Mikrometeorite einzeln in Mikroreaktionsgefäßen aus Plastik. Darin sind sie am besten vor Staub geschützt. Außerdem benötigt der Partikel nicht den Kontakt zu Klebematerial, was Spuren hinterlassen kann. Diese Gefäße lassen sich auch gut bei einer zwischenzeitigen Lagerung oder einem Transport von Mikrometeoriten einsetzen, da die Mikrometeorite darin am besten vor Verlust geschützt sind.

Selten kann es zu elektrischen Aufladungen der Plastikgefäße kommen, dann muss man sehr vorsichtig hantieren, wenn man den Partikel hineingeben oder herausnehmen möchte.

Nützlich sind Mikroreaktionsgefäße, die einen glatten Boden haben. Denn diese kann man mit dem enthaltenen Partikel und bei geöffnetem Deckel unter das Stereomikroskop stellen und sich so die Probe anschauen, ohne sie aus dem Gefäß herausnehmen zu müssen.

Mikroreaktionsgefäße
Verschiedene Mikroreaktionsgefäße aus Plastik

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